Gestern abend lief auf dem ORF "Im Zentrum". Dort erklärte uns Herr Beyer von der Industriellenvereinigung, dass unsere Armen gar nicht arm sind, denn in Ungarn könnten sie von diesem Einkommen gut leben. Wenn er es nicht besser wüßte, wäre es traurig. Immerhin hat Herr Beyer Universitätsbildung bezogen, die mit den Steuern von Verkäuferinnen und Bauarbeitern ermöglicht wurde.
Er weiß es besser. Armut wird schon seit vielen Jahren in der gesamten EU am Einkommen gemessen. Das hat auch seinen guten Grund. Die Armutsforschung geht davon aus, dass Menschen mit einem Einkommen von 60% des Medianeinkommens armutsgefährdet sind. Kommen dann noch Schulden oder Überbelag in der Wohnung oder ähnliches dazu, dann wird von manifester Armut gesprochen.
Es ist ärgerlich, wenn eine Verteilungsdebatte nicht sachlich geführt werden kann und die Menschen mit absurden Aussagen für dumm verkauft werden. Ähnlich absurd ist die immer wieder kehrende Behauptung von hohen Funktionären der ÖVP, dass Vermögenssteuern die Mittelschicht treffen. Alle Vermögenssteuermodelle, die derzeit in Diskussion stehen, haben Freibeträge in Höhen, die Menschen mit Eigenheimen oder durchschnittlichen Erbschaften nicht treffen. Und diese Steuern bringen trotzdem über 4 Milliarden Mehreinnahmen. Das ist bekannt und das wissen auch diese Funktionäre. Ihr vehementes Auftreten gegen Vermögenssteuern, ihr Hinhauen auf Menschen mit niedrigem Einkommen dient nur dazu, ihre Pfründe zu sichern. Natürlich hat auch Herr Industriellenvereinigung Beyer die Lüge von der Mittelschicht zum Besten gegeben. Das kotzt mich regelrecht an. Der Mann weiss es besser und lügt ungeniert. Wieviel Schmerzensgeld erhält er eigentlich...